Gedanken zum “kranken Hasen”:
(this text was written for the catalogue of the project and tells the creation process)
Als Gestalter erlebt man so einiges. Dennoch ist es bemerkenswert wenn zwei engagierte Frauenhände mit unbeirrter Bestimmtheit auf das Photo eines angeblich kranken, tatsächlich aber sehr toten und ausgestopften Hasen zeigen und felsenfest behaupten, dass ER das ist. Der Symbolcharakter für das größte bislang vom Verein initierte Projekt. Der inhaltliche Zusammenhang. Der Störenfried den Linz braucht. Das Photo war schlecht ausgeleuchtet und recht hässlich.
Nichtsdestotrotz erwachte in mir eine Faszination für das abstoßende Ding. Ich begann es als besondere Herausforderung zu betrachten. Die Anforderungen die an die Figur, den Hasen, gestellt wurden, waren sehr hoch und vielfältig. Einerseits sollte er als Logo funktionieren. Andererseits sollte er Geschichten erzählen können und um Himmelswillen durfte er nicht wie andere Hasen sein. Kein Comichase, kein Kinderbuchhase, ein kranker Hase eben. Wie das dann konkret aussehen kann wusste aber niemand. Ich auch nicht. Es war ein langwierigier Prozess bis sich bei mir ein Hase herauskristallisierte der alle Bedürfnisse zu befriedigen vermochte. Es gab alle möglichen anderen Hasen dazwischen: gezeichnete, Photomontagen aus Aufnahmen der Original-Pöstlingbergfigur, niedliche, hässliche, kindliche, abgehobene.
Der endgültige Hase , so wie er jetzt ist basierte dann eigentlich auf einer sehr einfachen Idee. Auf Konturen eines mehr oder weniger natürlichen Hasen setzte ich einfach ein Photo menschlicher Augen. Das war leicht. Dadurch wurden aber viele Probleme gelöst und neue Perspektiven eröffnet die der Figur ihr Eigenleben gaben. Die Figur war von jetzt an eigenständig und mit keiner anderen bekannten Hasenfigur mehr vergleichbar. Sie hatte durch das Element Photografie jegliche Kinderbuchanwandlungen abgestreift. Durch ausdrucksstarke Photos konnte ich das Gefühlsspektrum stark erweitern und eindringlicher machen. Außerdem wichtig für die inhaltliche Orientierung war, da das Photo ja austauschbar war, dass damit „jeder Hase sein kann“. Ein Aspekt der sich sogar im realen Leben niederschlagen wird, im Laufe des Projektes werden ja ( wie an anderen Stellen sicher genauer beschrieben) Hasenmasken mit Augenphotos von Teilnehmern vor Ort spontan hergestellt . Eine Grafikdesignidee erwacht somit zu echtem Leben. Kein gewöhnliches „Figürchenschicksal“. Passend für den subversiven Charakter des Hasen war auch die Anspielung auf „Pornobalken“ und auch das (scheinbar) spontane , dreckige der Photos, die absichtlich nicht wirklich integriert sind, sondern bei denen ich darauf geachtet habe, dass sie als draufgepickt erfasst werden.
An dieser Stelle muss ich natürlich anmerken, dass ich hier über mein eigenes Design spreche und gedanklich sehe ich natürlich wie der geneigte Leser dieses Textes den Schieber auf dem Selbstverherrlichung steht in die Hand nimmt und nach oben rückt. Aber, es muss eben gesagt werden. Es wurde viel ausprobiert, diskutiert und gestritten, und dann war er halt da, der Moment. Wo es halt einfach gepasst hat.Wenn man mich nach dem Hasen ausfragt, kommt meistens die Frage, was denn das einschneidende Erlebnis, das Heurekamoment, war, das zu dem Hasen geführt hat. So leicht ist das nicht zu beantworten. Gestaltungsprozesse sind verworren, ein Aha-Erlebnis gibt es meist nicht. Ich denke für Aussenstehende ist es ähnlich wie wenn ich mich frag, wo genau meine Sozialversicherungsbeiträge jetzt eigentlich gelandet sind. Aber um ein paar Eckpunkte zu geben: Wir, also Susanne Blaimschein, Beate Rathmayr und ich haben uns im Februar 2008 das erste Mal getroffen. Im Sommer wurde die jetzige Version als Grundkonzept mit einigen wenigen verschiedenen Posen der Linz09-Intendanz präsentiert. Martin Heller hat, als der den Hasen das erste Mal sah, zwei Minuten lang geschwiegen. (Was er dabei gedacht hat werde ich wohl nie erfahren) .
Der Gestaltungsprozess erstreckte sich eigentlich bis jetzt und höchstwahrscheinlich wird auch noch während des Projektes am Hasen weitergearbeitet. Fertig ist so eine Figur wohl nie, es ist ein lebendiger Prozess. Diese Erkenntnis wurde von der organisatorischen Seite nicht besonders begeistert aufgenommen. Das warf Plane durcheinander und führte zu Diskussionen. Vielen Diskussionen.
Den Austausch und Feedbackprozess zwischen den Kunstraumverantwortlichen und mir kann man ruhigen Gewissens als turbulent bezeichnen. Beate Rathmayr hat irgendwann später gesagt, dass die vielen Diskussionen die Qualität des Hasen geprägt hat. Dem kann ich nur zustimmen.
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